Nährstoffe: Alles Jod?

Deutschland ist Jodmangelgebiet und wer keinen Fisch isst, dem fehlt Jod ohnehin! Stimmt das? Wie geht vegan leben mit ausgeglichenem Jod-Konto? Hier finden Sie Wissenswertes rund um Jod, ergänzend zu den 7 Fakten aus der vegan&bio 5. 

Ergänzend zu Punkt (2) „Mit Jod im Lot?“:

Wer konkrete Hinweise zu seiner Jodversorgung sucht, sollte bei seinem Arzt die Messung von Jod im Urin erbitten. Doch Achtung: hier gibt es einen tageszeitbedingten Rhythmus. Meist liegt die Ausscheidung mahlzeitenabhängig nachmittags höher als vormittags. Hier sollte man auf die tägliche Ausscheidungsrate achten.

Ergänzend zu Punkt (3) „Wieviel Jod ist gut für uns?“

Modellrechnerisch braucht ein Mensch im Laufe seines ganzen Lebens gerade einmal vier bis fünf Gramm elementares Jod. Einfach zu beantworten ist die Frage nach dem individuellen täglichen Jodbedarf jedoch ganz und gar nicht. Deshalb geben die einzelnen Fachgesellschaften für Gesundheit und Ernährung weltweit auch recht unterschiedliche Richtwerte/Empfehlungen heraus.

Die genauen Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind folgende:

Tabelle mit Werten laut DGE

 

Empfohlene Zufuhr

Alter

Jod Deutschland Österreich

Jod WHO Schweiz

µg/Tag

µg/MJ1(Nährstoffdichte)

µg/Tag

µg/MJ1 (Nährstoffdichte)

m

w

m

w

Säuglinge

0 bis unter 4 Monate2

40

20

21

50

25

26

4 bis unter 12 Monate

80

27

28

50

17

17

Kinder

1 bis unter 4 Jahre

100

21

23

90

19

20

4 bis unter 7 Jahre

120

19

21

90

14

16

7 bis unter 10 Jahre

140

18

20

120

15

17

10 bis unter 13 Jahre

180

19

21

120

13

14

13 bis unter 15 Jahre

200

18

21

150

13

16

Jugendliche u. Erwachsene

15 bis unter 19 Jahre

200

19

24

150

14

18

19 bis unter 25 Jahre

200

19

25

150

14

19

25 bis unter 51 Jahre

200

20

26

150

15

19

51 bis unter 65 Jahre

180

20

24

150

16

20

65 Jahre und älter

180

22

26

150

18

22

Schwangere

230

 

25

200

 

22

Stillende

260

24

200

19

1Berechnet für Jugendliche und Erwachsene mit überwiegend sitzender Tätigkeit (PAL-Wert 1,4)
2Hierbei handelt es sich um einen Schätzwert

 

Quelle: www.dge.de

Ergänzend zu Punkt (4) „Wo steckt Jod drin?“

Klassische Jod-Quellen sind alle tierisch. Bekannt und ganz klar erster Platz: Seefisch. Erstaunlich und weniger bekannt: Milch und Milchprodukte bringen häufig auch viel Jod mit, weil das Futter der Tiere bereits seit Jahren mit dem Spurenelement angereichert wird. Auch die Bio-Milchviehhaltung nutzt das, allerdings in geringerem Umfang. Außerdem landet Jod über Futterzusätze in Eiern und in Fleisch.

Es ist nicht einfach, verlässliche und genaue Daten über den tatsächlichen Jodgehalt der Lebensmittel zu bekommen. Die meisten Nährwertanalysen sind veraltet. Gerade einige neue Entwicklungen wie zum Beispiel Jodeinträge (bei nicht-veganen Lebensmitteln über Viehfutter in Fleisch, Milch und Eier) oder die Behandlung mit jodhaltigen Pflanzenschutzmitteln oder Düngern können zu sehr unterschiedlichen Jodgehalten der Lebensmittel führen.

Präparate (Nahrungsergänzungen), jodiertes Salz oder jodreiches Mineralwasser können helfen den Mehrbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit zu decken. Hier ist jedoch genaues Augenmaß gefragt, also am besten in Rücksprache mit dem betreuenden Gynäkologen oder der Hebamme handeln.

Jodsalz: Als Alternative haben die Hersteller von Bio-Kräutersalz das Zusetzen von Algen entdeckt. Das Resultat sind Salze, die im Jodid-Gehalt etwas stärkeren Schwankungen unterliegen, aber bei Kennzeichnung als Jod-Salz innerhalb der gesetzlichen Vorgaben liegen.

Ergänzend zu Punkt (5) „Jodsalz: Fluch oder Segen?“

Kritiker der Jodmangel-Prophylaxe bemängeln unter anderem, dass durch die allgemeine Jodierung der Lebensmittel nach dem „Gießkannenprinzip“ gearbeitet würde. Jeder, ob vorteilhaft oder gegenteilig sogar schädlich, würde auf diese Weise mit einem zusätzlichen nicht genau kalkulierbaren Jod-Schub versorgt. Für den Verbraucher ist häufig gar nicht ersichtlich, wieviel Jod seine tägliche Versorgung überhaupt mit sich bringt. Das liegt nicht an der mangelhaften Deklaration, sondern daran, dass einige Jod-Quellen aufgrund jahreszeitlicher (und futterspezifischer) Schwankungen nur schwer mit einem treffenden Messwert beziffert werden können.

Befürworter der Jodmangel-Prophylaxe halten dagegen, dass bei einer übervorsichtigen Haltung, die Mindest-Jod-Versorgung nicht erreicht würde. Schon jetzt – so wird von ihnen bemängelt – sei die Jodversorgung der Bevölkerung bereits wieder rückläufig. Als Ursache wird unter anderem der zögerliche Einsatz von Jodsalz in verarbeiteten Lebensmitteln gesehen.

Weitere Infos zum Thema unter

www.jodmangel.de (Webseite des Arbeitskreis Jodmangel)
www.norbertnehring.de (Webseite des Arbeitskreises Prophylaxe-Transparenz e.V.) 

Ergänzend zu Punkt (5) „Deutschland – ein Jodmangelgebiet?“:

Seit etwa 20 Jahren wird jodiert. Genauer gesagt, das Speisesalz in Deutschland darf mit 15-25 mg/kg Jod angereichert werden. Dazu wird hierzulande Kaliumjodat zugesetzt. Wird ein Salz entsprechend zusammengemischt, ist der Hinweis auf die Jodierung verpflichtend. Ebenso muss auf der Zutatenliste von verarbeiteten Lebensmitteln mit Jodsalz dieses als Zutat aufgeführt werden. Nicht der Fall ist das bei allen lose verpackten Backwaren (und Metzgereiprodukten). Möchte man auf Nummer Sicher gehen, dass eine gute Portion Jod enthalten (oder nicht enthalten) ist, hilft im Zweifelsfall nur nachfragen.